Corona |

Beschaffung kämpft gegen Corona-Pandemie

Der Geschäftsbereich Beschaffung beschafft für alle Dienststellen des Landes Schleswig-Holstein Material und Leistungen. Er bietet dies auch allen sonstigen Trägern der öffentlichen Verwaltung an, z.B. Städten, Kreisen, Ämtern und Gemeinden. Diese leisten einen wichtigen Beitrag bei der Bekämpfung der Corona-Epidemie. Lars Ohse, Geschäftsbereichsleiter der Beschaffung, berichtet wie sich die Beschaffungsprozesse verändert haben.

Auch Ihre Kunden arbeiten mittlerweile größtenteils im Homeoffice. Bestellen die jetzt überhaupt noch Materialien und beauftragen Ausschreibungen bei Ihnen?

Ja, wir merken sehr deutlich, dass sich das Land jetzt komplett auf Homeoffice ausgerichtet hat. Da an vielen Stellen der Geschäftsbetrieb in den Dienststellen eingeschränkt stattfindet, haben die Personen jetzt Zeit, Bestellungen zu generieren. Das führt dazu, dass die Auftragseingänge bei uns so hoch sind wie nie zuvor und wir ja selber eingeschränkt arbeiten müssen. Gerade bei der Materialbeschaffung wachsen die Arbeitsrückstände rasant, was uns Sorge bereitet.

 

Was wird seit Ausbruch der Corona-Epidemie am häufigsten bestellt?

Da aktuell einige große Beschaffungsmaßnahmen noch in der Planung sind, haben sich die Beschaffungsgegenstände eigentlich noch nicht signifikant verändert. In Kürze werden wir massiv Artikel zur persönlichen Schutzausrüstung bestellen wie Atemmasken, Schutzbrillen, Kittel, aber auch Desinfektionsmaterial. Darüber hinaus haben wir einige Ausschreibungen über medizinisches Gerät durchgeführt. Dann kommen noch Logistikprojekte auf uns zu, wenn es an die Verteilung von Reserven des Landes geht.

In Kürze werden wir massiv Artikel zur persönlichen Schutzausrüstung bestellen wie Atemmasken, Schutzbrillen, Kittel, aber auch Desinfektionsmaterial.

Lars Ohse
Gibt es überhaupt noch Mundschutz und Schutzbekleidung auf dem Markt? Wo erhalten Sie diese Produkte noch?

Nein, diese Produkte gibt es eigentlich gar nicht mehr in adäquaten Stückzahlen. Wir versuchen, Restbestände zu kaufen, uns in Richtung Asien zu orientieren, und starten in Kürze mit dem Land ein sogenanntes Open-House-Verfahren. Dabei geht es darum, die heimische Wirtschaft mit Hilfe von Anreizen dazu zu bewegen, ihre Produktion hin zu den eben genannten Materialien umzustellen. Dies ist auch im Kontext der zu senkenden Abhängigkeit von asiatischen Märkten zu sehen, über die auch in Politik und Presse derzeit viel berichtet wird.

 

Und wie haben sich die Preise entwickelt?

Angebot und Nachfrage bestimmen ja die Preise, die derzeit eben deshalb zum großen Teil explodieren. Dazu kommt, dass sie extrem volatil sind. Wir hatten neulich ein Produkt an der Hand, bei dem sich der Preis innerhalb weniger Tage verfünffacht hatte und weitere zwei Tage später wieder halbiert. Wann soll man da zuschlagen?

Manchmal wünschen wir uns eine Kristallkugel.

Lars Ohse
Wie hat sich die Arbeit bei Ihnen im Geschäftsbereich verändert durch die Krise?

Das können wir noch nicht abschließend sagen. Die Stimmung ist trotz der Anstrengung super, die Solidarität untereinander hoch. Auch lernen wir ganz viel über neue Arbeitsformen. Da ist zum einen die Feststellung, dass wir daheim vor dem Hintergrund unserer vielen elektronischen Geschäftsprozesse viel mehr erledigen können als vorher gedacht. Eine weitere Erkenntnis ist, dass durch die vielen Telefonbesprechungen eine sehr viel stringentere und effiziente Sitzungskultur Einzug gehalten hat und wir uns schon die Frage stellen, warum wir uns sonst so oft persönlich sehen müssen. Auf der anderen Seite kostet die Technik dahinter viel Geld und bei vielen gibt es auch echte Entzugserscheinungen, was den persönlichen Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen angeht. Arbeit ist eben doch mehr als die Durchführung von Geschäftsprozessen. Für mich ist es auch spannend zu sehen, wie kreativ sich die Kolleginnen und Kollegen mit den eigenen Prozessen auseinander setzen und eben nur so oft vor Ort sind, wie es unbedingt erforderlich ist. Am Ende denken wir, dass wir nach der Pandemie ein wenig von dem Spirit, den wir jetzt erleben, in den Normalbetrieb hinüberretten wollen und auch werden.

 

Interview vom 14. April 2020 mit Lars Ohse, Leiter des Geschäftsbereiches Beschaffung

Profilbild von: Natali Fricke

Autor/in

Natali Fricke

Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit