Arbeitsleben |

Frauenpower für die Landesmuseen

Unsere vier Kolleginnen widmen sich der Kunst. Nein, sie stellen nicht selbst Kunstwerke her, sondern sie geben den Exponaten der Landesmuseen Schleswig-Holstein ein neues Dach über dem Kopf. Wobei das aktuelle Bauprojekt architektonisch durchaus ein Kunstwerk ist.

Die Kulturszene Schleswig-Holstein ist faszinierend. Gerade historisch haben die Landesmuseen viel zu bieten. Von kleinen Exponaten bis zu ganzen Gebäuden ist in den unterschiedlichen Museen jede Menge zu entdecken. Vor den Toren Kiels in Molfsee befindet sich das Freilichtmuseum. Als volkskundliches Museum präsentiert es die Alltags- und Kulturgeschichte des ländlichen Schleswig-Holstein. Auf dem mehrere Hektar großen Gelände zeigt das Museum 60 historische Gebäude aus dem 16. bis 20. Jahrhundert. Ein modernes aus dem 21. Jahrhundert ist hinzugekommen, denn in den vergangenen Jahren ist ein neues Ausstellungs- und Eingangsgebäude mit neu gestalteten Stellplatz entstanden. Der Stellplatz konnte dank großzügiger Spendengelder im März noch mit 70 Bäumen bepflanzt werden.

GMSH baut das neue Jahr100Haus

Unsere vier Kolleginnen Ute Dietrichs, Isa Gern, Sanja Marina Peters und Svetlana Tome aus dem Landesbau der GMSH planten und organisierten den Neubau. Im Auftrag der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen arbeiten unsere GMSH-Kolleginnen für die Landesmuseen und nehmen für sie die Projektleitung und -steuerung als Bauherrenvertretung wahr. Ob Umbau, Denkmalschutz, Instandhaltung oder Neubau – das Damen-Quartett ist für baufachlichen Aufgaben aller Liegenschaften der Stiftung zuständig. Dies gelingt nur mit tatkräftiger Unterstützung und Nutzung der umfangreichen Expertise der Kolleginnen und Kollegen aus den GMSH-Fachgruppen, die sich immer wieder schnell und engagiert für die Stiftungsprojekte einsetzen und auch komplette Projekte der Bauunterhaltung oder kleinen investiven Maßnahmen übernehmen.

Eine professionelle Projektsteuerung ist für die erfolgreiche Umsetzung unserer anspruchsvollen Bauvorhaben extrem wichtig. Die ausführenden Mitarbeiterinnen der GMSH haben Geld, Zeit und den Kontakt zu den Gewerken perfekt im Blick und sind für uns zu unverzichtbaren Partnerinnen geworden.

Guido Wendt, Geschäftsführer und Kaufmännischer Vorstand der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen

Die Aussage von Guido Wendt bestätigen Ute Dietrichs, Isa Gern, Sanja Marina Peters und Svetlana Tome. Alle vier arbeiten sehr gerne für die Stiftung, da die Museumsgebäude außerordentlich vielseitig und historisch wertvoll sind. Diese Attribute bringen eine Aufgabenvielfalt mit sich, die jeden Arbeitstag besonders macht. „Gerade das neue Ausstellungs- und Eingangsgebäude im Freilichtmuseum Molfsee ist einfach außergewöhnlich, selten und faszinierend in seiner Bauweise“, schwärmt Projektleiterin Ute Dietrichs. Architektonisch harmoniert der Neubau optimal mit den historischen Reetdach-Katen. Somit verbindet es anspruchsvolle, zeitgemäße Architektur der Gegenwart mit der historischen Vergangenheit.

Neubau besticht durch seine Materialkombination

Durch das rostbeschichtete Cortenstahl der Außenhaut erstrahlen die Gebäude je nach Lichteinfall und Tageszeit in einer vielseitigen Farbpalette. In Kombination mit seiner Form erinnern sie zugleich an reet- und strohgedeckte Dächer. Die beiden Gebäude, welche im Untergeschoss miteinander verbunden sind, bieten im Inneren einen Mix aus Holz, Beton und Stahleinbauten. Beeindruckend ist besonders die 12 Meter hohe Empfangshalle mit dem Holztragwerk in Rautenform.

Im Neubau stehen insgesamt rund 3.300 Quadratmeter Bruttogeschossfläche zur Verfügung. Auf 390 Quadratmetern im Untergeschoss plant das Museum zeitlich eingeschränkte Sonderausstellungen. Eine Dauerausstellung zur Alltagskultur in Schleswig-Holstein wird auf 920 Quadratmetern präsentiert. Zum Freigelände mit den historischen Gebäuden gelangen die Besucherinnen und Besucher über den neuen Museumshof. Alle Gebäudeteile sind barrierefrei zugänglich.
 

Meilensteine des Neubaus

  • 2014: internationaler Architektenwettbewerb

    Über 150 Einsendungen gingen ein. 22 Architektenbüros wurden aufgefordert, einen Entwurf einzureichen. Der Kreativität der Architekten und Landschaftsplaner war gefragt, da die Baufläche nur grob umrissen wurde. Als Sieger ging der Entwurf der Architekten Petersen Pörksen Partner aus Lübeck gemeinsam mit den Landschaftsplanern Bruun & Möllers aus Hamburg aus dem internationalen Architektenwettbewerb hervor.
     

  • 2015: Planungsphase

    Gemeinsam mit den Architekten ging es an die Feinplanung. Bei einem komplexen Gebäude wie diesem ist eine Planungsphase von zwei Jahren üblich. Wichtig ist es, jeden einzelnen Schritt gut zu planen, denn jedes Gebäude ist einzigartig und keine Serienproduktion. Alle benötigten Leistungen wurden öffentlich ausgeschrieben, Gelder aus unterschiedlichen Finanztöpfen genehmigt, Zuschläge vergeben. Mit allen beteiligten Firmen wurden die einzelnen Gewerke in die Zeitschiene des Projektplans integriert.
     

  • März 2017: Spatenstich

    Bis zum ersten Spatenstich wurde das Baufeld vorbereitet. Das Bauschild darf natürlich auch nicht fehlen. Ab dann rollten die Bagger an, um die 70 mal 70 Meter große und sechs Meter tiefe Baugrube auszuheben. Versorgungsanschlüsse für Strom und Wasser wurden ebenfalls gelegt und die Grundplatte gegossen.
     

  • April 2018: Rohbau

    Mit den ersten Wandsegmenten für das Untergeschoss wuchs das Gebäude schnell in die Höhe. Nicht nur das Untergeschoss mit einer Deckenhöhe von vier Metern ist beachtlich, sondern auch die Empfangshalle mit 12 Metern ist beeindruckend. Die Innenwände geben dem Gebäude seine Struktur und stabilisieren die Statik.
     

  • September 2018: Holztragwerk

    Das rautenförmige Holztragwerk ist das Markenzeichen des neuen Ausstellungs- und Eingangsgebäudes und auch im Logo des Freilichtmuseums Molfsee wiederzufinden. Die Konstruktion ist eine Hommage an die Handwerkskunst der Zimmerei.
     

  • Oktober 2018: Richtfest

    Mit dem Richtfest werden die Handwerkerinnen und Handwerker für ihre Arbeit gefeiert. Ist der Rohbau beendet und der Dachstuhl fertiggestellt, wird Richtfest gefeiert. Zugleich läutet das Fest den Start des Innenausbaus ein. 
     

  • November 2019: Cortenstahldach

    Dieses Material wurde nicht nur wegen seiner Unempfindlichkeit gegenüber Witterungseinflüssen gewählt, sondern weil das rostbeschichtete Cortenstahldach an reet- und strohgedeckte Dächer erinnert.
     

  • Juni 2020: Kunstinstallation

    Das Gebäude an sich ist schon ein Kunstwerk. Dennoch hat sich das Museum für den Verkaufstresen eine ganz besondere Medieninstallation einfallen lassen. Mehrere alte Heugreifer, die fast spinnenartig aussehen, hängen von der 12 Meter hohen Decke herab und halten Monitore.
     

  • August 2020: Außenanlagen

    Eine Treppe mit großzügigen Stufen lädt im Außenbereich zum Verweilen ein. Weiter an einem kleinen Teich und der historischen Feldscheune vorbei gelangen die Besucherinnen und Besucher über einen Fußweg in das parkähnliche Freigelände.
     

  • März 2021: Fertigstellung

    Knapp ein halbes Jahr später als gedacht öffnet das neue Ausstellungs- und Eingangsgebäude im März 2021 seine Tore. Während der Bauphase gab es immer wieder unerwartete Verzögerungen, die die Bauphasen jedoch nicht groß beeinträchtigt haben. Nur auf den letzten Metern hat die Corona-Pandemie den Zeitplan durcheinandergebracht. 
     

© Photomatzen

Profilbild von: Natali Fricke

Autor/in

Natali Fricke

Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit