Interview |

Sind Quereinsteiger die besseren Fach- und Führungskräfte?

Burckhard Lauf erzählt im Interview, welche Berufsprofile besonders am Fachkräftemangel leiden. In dieser Zeit ist es wichtig Quereinsteiger zu fördern und Erfahrungen in der Bau- und Immobilienwirtschaft nicht als zwingende Voraussetzung anzusehen.

Welche Berufsprofile sind am stärksten betroffen? Mit welchen Herausforderungen haben wir zu kämpfen? Was können wir dagegen tun?

Gerade in der Ingenieurausbildung spricht man vom sogenannten Schweinezyklus. So zeichnet es sich seit Jahrzehnten am Arbeitsmarkt ab. Wenn Ingenieure gebraucht werden sind keine da, also werden viele ausgebildet und dann braucht sie keiner mehr. Ich habe jetzt aber mittlerweile den Eindruck, dass wir tatsächlich für die hochqualifizierten Aufgaben dauerhaft zu wenig angehende Ingenieure in der Ausbildung haben. Zudem fehlen uns Fachleute, wie die vergaberechtsgeschulte Einkäuferin, der baurechtsaffine und geprägte Jurist, die Expertin im Bereich Personalabrechnung für das öffentliche Tarifwerk, der SAP Spezialist oder die Netzwerkexpertin im IT-Umfeld. Alles Berufsgruppen, die wir brauchen, aber nur selten bekommen, weil wir uns immer mehr von der Massenaufgabe und dem Massengeschäft entfernen und die Aufgaben immer spezieller werden. Bleiben wir mal beim Beispiel Vergaberecht: Ist es eigentlich richtig, dass das so derartig ausgefeilt ist, dass es nur noch Experten durchdringen können, ist es noch die Grundidee des Vergabewesens? Die Konsequenz, die daraus entsteht, ist, dass wir unsere Experten intern ausbilden müssen. Und da investieren wir entsprechend auch Zeit und Geld, um wirklich auf der Grundlage einer guten Qualifikation diese Spezifikation auszuprägen.


Laut einer Studie kommen immer noch zwei Arbeitslose auf eine offene Stelle. Eigentlich kann man da nicht von einem Fachkräftemangel sprechen. Stimmen vielleicht Anforderungen und Realität nicht überein? Müssen Unternehmen ihre Ansprüche an ihr Personal runterschrauben?

Wir haben in dem Umfeld derer, die arbeitslos sind, aktuell nicht die qualifizierten Beschäftigten, die den hochqualifizierten Aufgaben so gerecht werden können. Ich glaube nicht, dass die Anspruchs- oder Erwartungshaltung hier eine falsche ist. Ich glaube, dass eine Chance darin besteht, Menschen, die aktuell keine Beschäftigung haben, über Fort- und Weiterbildung und über Nachqualifizierung zu fördern. Nicht unbedingt über die Bundesagentur für Arbeit, sondern über die Unternehmen selbst, sodass, wenn eine bestimmte Vorqualifikation da ist, diese Lücke durch Eigenqualifikation entsprechend geschlossen werden kann.

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Acht Monate nach GMSH-Gründung wurde Burckhard Lauf im April 2000 als Personalplaner eingestellt. Seine Aufgabe: binnen drei Monaten den Personaleinsatz für die folgenden Jahre, unter der Maxime Personalabbau, Sachkostenreduktion und vieles mehr aufzustellen. Ein spannender Einstieg, den er sehr gut gemeistert hat, denn nur fünf Jahre später bekam er die Verantwortung für die Personalabteilung.

Sind Quereinsteiger die besseren Fach- und Führungskräfte?

Schwierig, sich jetzt auf eine Seite zu schlagen, weil es derart individuell ist. Ein Quereinsteiger bringt ein breites Wissen und Prägungen aus der Privatwirtschaft mit, die ihm bzw. ihr als Führungskraft in der Gruppe absolut hilfreich und förderlich sein können. Gleichermaßen aber auch der klassisch ausgebildete Ingenieur, der eine Technik erlernt hat, und das gilt für jeden, der akademisch ausgebildet ist, deutlich über den Tellerrand hinaus zu schauen und lösungsorientiert unterwegs zu sein. Sie besitzen eine Technik, sich mit dem Wissen, das man hat, neuen Herausforderungen zu stellen, die genauso gewinnbringend ist, wie die Erfahrungswerte eines Quereinsteigers. Ich glaube, nur der oder die, ist in diesem Falle deutlich zu kurz gesprungen. Ein gut durchmischtes Team ist an dieser Stelle der Schlüssel zum Erfolg.


Floristin, KFZ-Mechaniker, Krankenschwester, Koch: Sind Erfahrung in der Bau- und Immobilienwirtschaft Einstellungsvoraussetzung bei der GMSH?

Also entweder ist das sehr gut recherchiert oder aber reiner Zufall. Zu jedem Beruf habe ich jemanden im Kopf, der oder die genau diese Ausbildung mitbringt und Ausdruck dessen ist, dass es nicht ausschließlich Einstellungsvoraussetzung ist. Der zweite Bildungsweg, mit der entsprechenden Leidenschaft, dem Spaß und dem Vermögen, dieses auch im Vorstellungsgespräch deutlich zu machen, kann genauso die Tür öffnen wie der klassische Ausbildungsweg. Für Spezialjobs sind es wieder die Spezialisten, aber für generelle Aufgaben kann es auch jedweder andere Weg sein.


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Profilbild von: Natali Fricke

Autor/in

Natali Fricke

Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit